Konzept
Was passiert, wenn wir etwas radikal Unschönes wie ein Kunstobjekt betrachten?
Hundekot ist das, worüber wir uns aufregen, woran wir uns ekeln, worüber wir stolpern. Er ist ein alltäglicher Störfaktor im Stadtbild, und gleichzeitig eine Spur von Lebendigkeit, die wir am liebsten sofort ausblenden würden.
„Alles Scheiße?“ ist der Versuch, diesen Reflex für einen Moment zu unterbinden. In dieser Serie wird Hundekot zu etwas anderem: zu Form, Farbe, Struktur. Risse im Asphalt, Plastiktüten, Blätter, Regenpfützen und Schatten verbinden sich zu Bildern, die, ohne Kontext, auch einfach abstrakte Kompositionen sein könnten.
Mich interessiert der Augenblick, in dem Ärger oder Ekel kurz aussetzen und Platz machen für einen nüchternen Blick auf Linien, Flächen und Licht. Es geht nicht darum, etwas „Schönzureden“, sondern darum, genauer hinzusehen: dorthin, wo wir normalerweise den Blick abwenden.
Diese Arbeit bewegt sich zwischen Dokumentation und Abstraktion: Die Motive stammen eindeutig aus der Realität, sind aber so gerahmt, dass sie eine eigene, stille Bildsprache entwickeln.
Arbeitsweise
Die Fotografien entstehen auf alltäglichen Wegen: auf dem Gang zum Bäcker, zur Arbeit, durch Parks und Wohnviertel, mit meinem Smartphone. Ich inszeniere keine Situationen, sondern greife auf, was ohnehin da ist: Hundekot als Nebenprodukt eines großstädtischen Alltags.
Entscheidend ist der Moment der Begegnung: ein kurzer Stopp, ein zweiter Blick, die Suche nach einer Perspektive, in der sich Chaos und Ordnung berühren. Manchmal ist es das Morgenlicht, manchmal ein greller Straßenlaternenkegel, manchmal die Kombination aus Beutel, Asphalt und zufälligem Müll, und manchmal ist alles mehr Schein als Sein...
Ich arbeite bewusst ohne sichtbare Menschen oder identifizierbare Orte. Es geht nicht darum, jemanden an den Pranger zu stellen, sondern um das Spannungsfeld zwischen öffentlichem Raum, Tier, Mensch und den Spuren, die dabei entstehen.
Viele Bilder lassen sich auf zwei Ebenen betrachten: Wer den Kontext kennt, erkennt Hundekothaufen. Wer nur die Komposition sieht, kann zunächst bei Farbe, Struktur und Rhythmus bleiben.
Über das Projekt
Die Serie entstand nicht aus einer Vorliebe für das Sujet, sondern aus einer Irritation: Warum fallen mir diese Haufen immer wieder auf, und warum haben sie manchmal mehr grafische Spannung als manches „offizielle“ Kunstplakat?
„Alles Scheiße?“ ist bewusst ambivalent: Die Bilder sind weder platte Provokation noch dekorative Veredelung von Dreck. Sie fragen eher: Was ist eigentlich „würdig“, betrachtet zu werden? Und wer entscheidet darüber?
Mein Name ist Markus. Ich bin Künstler, Pädagoge und Autist. Willkommen in meiner Welt...
Noch keine veröffentlichten Kommentare.